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Tabus unter Müttern Was Mamas sich nicht trauen zu sagen Tabuthemen

Über stinkende Mama-Tabus

Ich lade dich herzlich ein, diese Gedanken zu teilen.

Neulich hörte ich die Sprachnachricht einer Freundin ab. Selbst Mutter zweier kleiner Kinder.
Was sie sagte, hatte ich schon hundertmal ähnlich von anderen Freundinnen gehört. Wohlgemerkt: Freundinnen. Also vertraute Frauen. Leute, gegenüber denen ich selbst authentisch und offen von mir und den dazugehörigen schönen und hässlichen Dingsbumsen meiner Welt erzähle.

So. Also was sie da plapperte, war in etwa Folgendes:
“Das klingt jetzt vielleicht fies. Ich übertreibe natürlich ein bisschen, wenn ich das sage: Aber manchmal, nach einem langen, anstrengenden Tag, da kann ich abends Mathildas Stimme einfach nicht mehr hören. Also natürlich liebe ich meine Kinder über alles, und ich genieße auch total die Zeit mit ihnen, gar keine Frage! Aber in manchen Momenten wünsche ich mir mal Stille und nur Zeit für mich. Das soll jetzt wirklich nicht so negativ klingen! Ich bin wirklich froh über jede Minute mit meinen Kindern.“

Analysieren wir das mal:

Ich hab manchmal die Schnauze voll von meinen Kindern und will mehr Zeit für mich. Da dieses Bedürfnis und mein Empfinden allerdings dem größten gesellschaftlichen Tabu aller Zeiten unterliegen, wage ich das nur abmildert zu sagen, und muss vor, während und zwischen meiner Aussage betonen, dass ich selbstverständlich keine Rabenmutter bin, sondern meinen Kindern eine grundsätzlich positive Haltung gegenüber habe und alles für sie tun will.
Ich fühle das Tabu auf mir wie einen zentnerschweren Sack, weil noch nie eine andere Frau mir gegenüber ehrlich ausgedrückt hat, dass sie ihre Kinder manchmal als Belastung empfindet. Deshalb schäme ich mich ein wenig für meine Gefühle und die leichte Überforderung und geißle mich selbst zur Strafe mit Vorwürfen und dem Gefühl, eine schlechte Mutter zu sein.

Liebe Gesellschaft,
kannst du nicht mal chillen?
Lass die Mütter in Ruhe!
Sie sind mit ihrer unfassbar wichtigen und anstrengenden Aufgabe eh kaum wertgeschätzt. Musst du sie noch zusätzlich drangsalieren, indem du ihnen irgendwelche Gebote in den Kopf pflanzt, die sie zusätzlich schikanieren?

Darf man nicht zugeben, dass man im Wochenbett depressiv, überfordert und niedergeschlagen ist? Obwohl man für diesen kleinen neuen Menschen rund um die Uhr Schlaf, Sorgen und Wohlbefinden opfert?

Darf man nicht zugeben, dass die Idee von der Kind-Karierre-Vereinbarkeit völliger Bullshit ist und nur Magengeschwüre, Haarausfall und Dauerstress verursacht?

Darf man nicht zugeben, das das 7 Millionste Warum einfach ein verdammtes Warum zu viel war? Obwohl man “Warum …..“ schon geduldig und ins kleinste Detail mit allen zwanzig Unter-Warums beantwortet hat?

Warum muss man die Liebe zu seinen Kindern tausendmal beteuern, nur um eine kleine ehrliche Schwachstelle möglichst vorsichtig anzudeuten? Obwohl es doch das allernormalste dieser Welt ist, dass eine Mutter nichts mehr lieben kann als ihr Kind?

Warum muss man ständig Heilewelt auf Social Media spielen und gestylt und überglücklich aussehen? Obwohl die normale Mutter einen gerupften Dutt, Augenringe und Flecken auf der Jeans hat?

Warum muss man ständig behaupten, der Spross sei brav und pflegeleicht, alles liefe super? Obwohl die Trotzanfälle, das Mobbing, die Pubertät einem den Schlaf und den allerletzten Nerv rauben?

Warum ständig relativieren? Warum andauernd beteuern? Warum nur vorsichtig andeuten?

Die wissenschaftlich psychoanalytische Antwort gibt’s in meinem Maaz-inspirierten Artikel über das verlogene Ideal der perfekten Mutter.

Mein eigener schlichter Aufruf dazu ist Folgender:

Mütter, Mamas, Muttis und Moms dieser Erde:
Spielt diesen Mist nicht mehr mit. Seid ehrlich, seid authentisch, baut euch gegenseitig auf. Versucht nicht, euch gegenseitig zu übertrumpfen – wer die schönste, schlankste, perfekteste Mutter mit den besten, klügsten, talentiertesten, bravsten Kindern ist.
Traut euch, all die verlogenen Tabus zu brechen und haltet zusammen!

Ihr leistet alle Wunderbares und Unfassbares. Eure Liebe, eure Kraft, eure Mühen und eure Herzenswärme, eure 24/7 Schicht … Das ist ein wahnsinniges Geschenk an euer Kind. Und die gesamte Gesellschaft!

Und euer Kind. Egal ob dick, dünn, mit Karies, mit Rotz am Bein, mit einer Vier in Mathe oder problematischen Freunden – es ist das beste und liebenswerteste Kind, das die Welt je gesehen hat. Ein großartiges Individuum, dessen Existenz ein Geschenk des Universums ist.

Das war’s.

Dass es euch in den Wahnsinn treibt, euch manchmal nervt, ankotzt, anstrengt, überfordert, ihr einfach mal Abstand braucht – was auch immer!
Das ist schlichtweg:

Okay!
Alles klar? Keiner muss sich rechtfertigen für seine Empfindungen und seine Bedürfnisse.
Die sind weder gut noch schlecht. Sie sind. Punkt.

Das schmälert nicht eure Liebe, Hingabe und euren Wert als Mensch und Mutter.
Aber genau das seid ihr: Mutter UND Mensch. Bloß Menschen.

Bleibt menschlich.

Wärmste Grüße
Eure Anne

PS: Wenn du so großartige Mütter als Freundinnen hast, teil den Artikel gerne mit ihnen. Gegen verlogene Ideale und Mama-Tabus.

Ich lade dich herzlich ein, diese Gedanken zu teilen.

Gesellschaftliche Tabus, Selbstbewusstsein für Mütter, Tabus

Kommentare (20)

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